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schon früher den Zaubergegenstand, über den wir Männer nimmer verstummen, die Schönheit Ihres Geschlechtes, in einem Gedichte an Daliiah besungen. Critiker hatten ihn getadelt, und nach einigen Jahren fiel er selbst so unbarmherzig über seine Daliiah her, dafs die Critiker, welche jetzt den Dichter loben, es nur furchtsam thun, mit der Verwarnung, er möge (um ihr Lob nicht zu Schanden zu machen) nun auch nicht nach einigen Jahren mit seiner jetzigen Dame hadern, wie er es mit der ersten gethan habe, und nicht mit der characteristischen Unbeständigkeit blinder Verehrer des ganzen Geschlechtes, eine zweite Frau verstofsen und schlecht machen, um eine drille zu sich zu nehmen. So werde ich nicht verfahren, wenn auch der Dichter diesen Rath. nicht hört. Ich werde das Gedicht: Woman, a Poem. By the author of the Heroine. London 1818. immer lieb und Werth halten, weil es mir Züge zu Ihrem Gemählde liefert. Es ist mit Talent und Genius geschrieben. Es enthält pathetische und anschauliche Schilderungen und ist mit Kraft und (woran es uns Deutschen im. Allgemeinen fehlt) mit Concision entworfen. Es hebt mit einer Elegie zum Andenken der Prinzessinn Charlotte an, zählt nun die Ursachen auf, durch welche Ihr Geschlecht vormals unterdrückt wurde, und verweilt bei den Gegenständen, die zu dessen jetziger Vollkommenheit führten, und zieht dann eine Parallele zwischen den beiden Geschlechtern, worin es heifst:

To JVoman, whose best books are human hearts,
,? VITise heaven a genius lefs profound imparts.
His awful, her's is lovely; his should tell
How thunderbolts, and her's how roses fell,
Her rapid mind decides while his debates,
She feels a truth that he but calculates.
He provident, averts approaching ill,

She snatches present good with ready skitt:

That active perseverance his, which gains,

sind her's tltat passive patience which sustains. *)

Nachdem er die Vorzüge geschildert, wodurch er glaubt, dafs unser Geschlecht sich auszeichnet, schliefst er diese Zeilen mit folgenden Zauberworten:

To guard that Virtue, to supply the place
Of courage, wanting in her gentle race,
Lo , modesty was given; mysterious spell,
IVhose blush can shame, whose panic can repeL
Strong by the very weaknefs it betrays,
It sheds a mist before our fiery gate.
The panting apprehension, quick to feel,
The slirinking grace that fain would grace conceal,
The beautiful rebuke, that looks surprise,
The gentle vengeance of averted eyes;
These are its arms, and these supreme prevail,
¿ove pauses, Vice retract* his glazing tale.

jVbi she with trait'rous kifs her Saviour stung,
2Voi she denied him with unholy tongue;
She while Apostles shrank, could danger brave,
jLait at his crofs and earliest at his grave **).

*) Dem Weibe, dessen beste Bücher die Herzen der Menschen sind, bat der weise Himmel einen weniger tiefen Genius gegeben. Des Mannes Genius ist fütchtbar, der des Weibes liebenswürdig i der seinige sollte verkünden, wie Donnerkeile, der ihrige wie Rosen lallen. Ihr rascher Geist entscheidet, wo der seinige überlegt. Sie fohlt eine Wahrheit, die er nur berechnet. Er, vorschauend, wendet ein sich näherndes Uebel ab, sie hascht ein gegenwärtiges Gut mit behender Geschicklichkeit. Sein ist die thätige Ausdauer, die gewinnt, ihr die leidende Geduld, die ausharrt,

**) Diese Tugend zu bewahren, die Stelle des Mnths zu ersetzen, ici Ihrem lieblichen Geschlechte abgeht, schau, ward ihm die Die letzten Verse sind gewifs mit die lieblichsten, die Sie je gehört haben. Der ale Baud des Gedichts (es besteht aus dreyen) hebt mit der Beschreibung der Reitze an, welche die Tugend Ihnen verleiht, und sagt über die geringe Korperkraft, welche die Natur Ihnen gewährt:

With amiable defects of nature born
Wants that endear and foibles that adorn,
She by reserve and awful meetnefs reigns;
Her sighs are edicts, her caresses chains,
Why has she tones with speaking music strung?
Eyes eloquent beyond the mortal tongue?
^nd looks that vanquish) till, on nervelefs knee,
Men gaze, and grow with gazing, weak as she?
'Tis to command these arts against our arms,
And tame imperious might with winning charms *).

Bescheidenheit gegeben, ein geheimnisvoller Zauber, dessen Erröthen beschämen, dessen Schreck zurückstofsen kann. Stark selbst durch die Schwäche, die sie verräth, verbreitet sie einen Nebel vor unsern kühnsten Blicken. Die klopfende BesorgniG,, schnell zu fühlen, die bebende Anmuth, welche umsonst die Anmut h verbergen möchte, der schöne Tadel, der Verwunderung ausdrückt, die liebliche Rache abgewendeter Augen; das sind ihre Waffen, und diese entscheiden gebieterisch. Die Liebe zögert, und das Laster nimmt seine schmeichelnde Rede zurück.

Nicht sie bezeichnete mit dem verrätherischen Kufs ihren Erlöser, nicht sie verleugnete ihn mit unheiliger Zunge; sie konnte der Gefahr trotzen, wie Apostel erbebten, war die letzte am Kreuz und die erste an seinem Grabe.

*) Mit lieblichen Unvollkommenheiten von der Natur erzeugt, mit Mängeln, die sie thenrer machen, und mit Schwächen, die sie zieren; herrscht sie durch Zurückhaltung und Ehrfurcht erwek. kende Milde; ihre Seufzer sind Befehle, ihre Schmeicheleien Ketten. Warum hat sie Töne, von denen sprechende Musik

Der Dicbter wagt dann, die Schönheit Ihres Geschlechts beschreiben und bemerkt, dafs das lange Anschauen

der Schonbcit liicht wie dasjenige anderer Gegeiutunde

iSilumpft.

— — — — — but unallay'd

The sight still pauses on a beauteous maid,
Each glance still finds her lovelier than before,
Each gazing moment asks a moment more.
Yet then must intellectual graces move
The play of features, ere we quite approve;
Yet must chaste Honor, ere those graces win,
Light up the glorious image from within! *)

Der zweite Canto endigt mit der Beschreibung eines Opfers der Verfuhrung. Es ist der schönste Theil des Gedichts, — aber uninieressant fur Sie da Sie durch. Ihren Geist nur der Tugend auf immer angehören kiinnen. Der 3te Canto schildert die Liehe auch in Kleinigkeiten reizend. Ein Sturm auf der See, den Liebende bestehen, hcht mil folgenden schönen Strophen an, von denen vorziiglicb der letzte Vers malerisch ist:

etkUngt? Augen, die beredter sind, ah eines Srerblichen Zunge? und B\icke, die siegen, bis auf entnervten Knien der Mann stauneud betrachtet, und icn Anschauen vetloren schwach wird wie sie? Es ist nm diese Kunste gegen unsere Waffen zu fiihren, und gebieterische Macht mit gewinnendem Zauber zu zahmen. *) Aber unverkndert weilt das Auge immer bei einem schönen Madehen. Jeder Blick findet sie lieblicher als zuvor, jeder Augenblick des Staunens fordert einen andern Augenblick. Aber dann muls auch geistige Anmuth das Spiel der Gesichrsziige sehmucken, ehe wir ganz verloren sind, und ehe dieser Zauber gewinnt, mufs die keusche Ehre das glorreiche Bild von Inn«n trleuchten |

Tlie sun set red, the clouds were scudding wild,
And their black fragments into masses piled; .
The birds of ocean scream'd , and ocean gave
A hoarser murmur and a heavier wave. *)

und enthält über die Liebe folgende liebliche Strophen:

There is a language by the virgin made,
Not read but felt, not uttered but betray'd:
A mute communion, yet so wondrous sweet,
Eyes must impart what tongue can ne'er repeat.
'Tis written on her cheeks and meaning brows,
In one short glance whole volumes it avows;
in one short moment tells of many days,
In one short speaking silence all conveys,
Joy, sorrow, love recounts, hope, pity fear,
And looks a sigh and weeps without a tear.
O 'tis so chaste, so touching, so refined,
So soft, so wistful, so sintere, so kind

*) Roth ging die Sonne unter, die Wolken Rogen wild vorüber, und ihre schwarzen Trümmer wurden in Massen gehäuft i laut schrien die Vögel des Meeres, und von dem Ocean stieg ein heiseres Gemurmel und schwerere Wogen empor.

**) Die Jungfrau schafft eine Sprache, die nicht gelesen, sondern gefühlt wird, nicht geäufsert, sondern nur verrathen; einen stummen Verkehr, aber so wunderbar lieblich, dafs Augen mittheilen müssen, was die Zunge nie wiederholen kann. Sie steht auf ihren Wangen und auf ihrer denkenden Stirn geschrieben, und bekennt in einem Blick, was ganze Bände nicht auszudrücken vermögen; in einem kurzen Augenblick spricht sie von vielen Tagen; in einem kurzen, sprechenden Schweigen theilt sie alles mit, und giebt Rechenschaft von Sorge, Freude, Liebe', von Hoffnung, Mitleid, Furcht; sie blickt Seufzer und weint ohne Thränen. 0, sie ist so keusch, so rührend, so zart, so sanft, so ausdrucksvoll, so wahr, so mild!

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