페이지 이미지
PDF

Zwei ähnliche Mysterien, die man in «wer alten Handschrift mit dem großen Passions-Myster beisammen findet, scheinen bald nach diesem entstan« den und dramatische Fortsetzungen desselben zu seyn. Das eine ist das Myster von der Empfängt,iß und Geburt der heil. Jungfrau, das an» dere das Myster von der Auferstehung '). Jenes hat einige Stellen, aus denen man sieht, daß der Dichter nur zu früh lebte, um sich der dramatischen Beredsamkeit im Styl der französil schen Tragiker aus den folgenden Jahrhunderten im Starken ^) und im Rührenden °) zu nähern.

Die

[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]

neuere iltteratoren diese Ehre abgesprochen, die ih, nen sogar eine Beleidigung des Andenkens an die« sen sonst kaum bekannten Prälaten zu senn scheint. Nach der Versicherung der französischen titterato, »en soll man auch in der ganzen Reihe dieser My, sierien von ihrer Entstehung an bis in das sechzehn, te Jahrhundert keine wesentlichen Verschiedenheiten des Styls und Geschmacks bemerken. Eine ausführliche Bearbeitung des ganzen Fachs kann also nur in eine specielle Geschichte der dramatischen tit« teratur aufgenommen werden. In der Dramatisi, rung der iegenden von den Heiligen nahmen sich übrigens die Dichter mehr Freiheiten, als bei der Bearbeitung der Scenen, die sie aus der Bibel schöpften. Es fehlt diesen dramatischen Biographien, die doch durchaus erbaulich senn sollen, auch nicht an unsittlichen Stellen. Solche Stellen ohne Aergerniß in das Ganze zu verweben, bediente sich der Muthwille der Dichter eines eignen Kunstgriffs. Die Helligen müssen irdischen Anfechtungen ausgesetzt werden; besonders müssen üppige Dirnen sie durch ihre Reize an das Heidenthmn zu fesseln suchen. Das giebt denn Veranlassung zu den schlüpf« rigsten Possen. Durch die Darstellung des Mär, tyrertodeS werden mehrere dieser dramalisirten Bio« graphien zu einer Art von romantischen Trauerspielen. Die Situationen sind dann aber auch nicht immer mit merklicher Delicalesse gewählt. In dem dramalisirten teben der heil. Barbara wird die» se Hellige aus dem Theater bei den Beinen aufgehängt. In dieser anstößigen Positur redet sie noch auf das rührendste zu dem Tyrannen, dem sie seine Grausamkeit und Brutalität besonders in Be» Ziehung aus das Unanständige dieser Todesart vor« wirft °). Vermuthlich wurde durch Bekleidung dem Uebelstande auf dem Theater ein wenig abge« helfen. Wie es aber die Schauspielerin angefangen, in dieser Positur noch zu declamiren, wird nicht angemerkt. Die Theaterkunst muß sich über« Haupt damals auf eine ungemeine Art zu helfen ge» wüßt haben; denn in demselben Stücke wird die heil. Barbara, die durch gerechte Vorwürfe ihren Verfolger nur noch mehr erbittert, an demselben Galgen, wo sie bei den Beinen aufgehängt bleibt, gräßlich mit eisernen Kämmen zerfleischt und an lampen gebraten.

Ueberhaupt war die anschauliche Darstellung des christlichen Gegensatzes zwischen Himmel und Hölle ein wesentliches Erfordernis) eines französischen Musters. Zu dem beständigen Theater«, apparat gehörte ein hohes Gerüst, auf welchen« gewöhnlich Gott der Vater in einem langen Talar, umgeben von seineu Engeln, saß. Am Fuße des Gerüsts lag die Hölle. Zwischen dem Him< mel und der Hölle dehnte sich das Gerüst nach bei« den Seiten aus; und diese Mlttelpartie stellte die

Welt

e) Sie spricht:

'dl'2«.tu pnlnt Kante ne verzogne.
De commettre teile belonße?
De penäre ime nouvre «uceüe
?ar le« viel: tü'eN cnole cruelle.
Itel»«! pour I'Knnneur feminine,
Lt pour celle <zui tZnt tut äizne
De te oorter 6c6gn5 le« N2n«,
l'u ne äeulle« pgr faulce mine,
l)ommettre ceste euvre malißne,
kar courroux <^ui te lout en N2N3.

>

Welt vor, in der man bald die Stadt Jerusalem, bald die Wohnung eines Heiligen, und was sonst der Inhalt des Schauspiels von irdischem local ver« langte, neben einander erblickte. Eine solche Zulüftung auf dem Theater stimmte wenigstens mit dem Geist und Style der Schauspiele selbst zusam, men. Die rohe, aber gewaltig in's Große arbei« tende Phantasie wußte nicht, wo hinaus.

Die Geschichte dieser geistlichen Schauspiele in Frankreich mag hier zu Ende erzählt werden. Denn wenn sie sich gleich bis gegen die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts erhielten, veränderten sie doch ihre Natur nicht, und dauerten zuletzt nur noch als ein Andenken an die frühere Zeit fort. Nach dem Muster des Pariser Theaters wurden ähnliche in allen großen Städten von Frankreich, und auch in mancher kleinen Stadt, errichtet. Man wettl eiferte in der Pracht und Kunst der Decorationen. In einem Myster, das im Jahr ,437 zu Metz auf, geführt wurde, sperrte der colossale Drache, der in» Vordergrunde der Hölle paradirte, seinen unge, Heuren Rachen so furchtbar gegen die Zuschauer auf, daß alle bezaubert wurden, besonders weil in dem Drachenkopfe zwei große Augen von polirtem Stahl funkelten. Auch durch die länge der Stücke sucht te man einander zu übertreffen. Einige dieser My» sterien sollen vierzig Tage in der Aufführung gedauert haben.

Eine Abart der Mysterien waren die so genann« len Morali täten (Kwralit«). Sie entstanden zufällig durch dle Concurrenz der Passionobrüder mit einer älteren Gesellschaft, die sich die Schreiber von der Basoche (l« 61er«.äe i» L»?c>clie)

nannte.

« 이전계속 »