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Geist des ganzen Stücks wird endlich noch interessanter in der Geschichte der iitteratur, wenn man erwägt, daß es Advocaten waren, die einen ihrer Amisgenossen in dieser Farce darstellten, und daß dieselben Männer, die ihre ernsthaften Schauspiele als Moraliläten geltend machen wollten, in ihren Farcen die Moral umgingen, um nicht die Freiheit und Stärke der komischen Darstellung zu hemmen. Die liberale Denkart der Schreiber von der Bqsoche verdient also nickt weniger Bewunderung, als ihr richtiges Gefühl für den ästhetischen Gehalt des komischen Spiels. Etwas weniger mit Flüchen könnte zwar die Farce vom Palhelin, ihrer komi, sehen Kraft unbeschadet, ausgestattet seyn. Aber der Dichter wollte die Sprache des wirklichen ie» bens komisch nachahmen; und diese Sprache war damals in Frankreich vermuthlich ganz durchdrun, gen von Flüchen und Schwüren. Auch die verschiel denen Dialekte der französischen Sprache sind ko, misch benutzt in der Scene, wo Meister Palhelin sich stellt, als ob er im Fieber delirirte.

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Neben den beiden Theatern der Passionsbrü« der und der Schreiber von der Basoche bildete sich noch ein drittes, dessen Stifter ihrer übermüthigen iaune wohl nicht ein so freies Spiel hätten gestatten dürfen, wenn ihnen nicht die politische Zerrüttung ihres Vaterlandes zu Statten gekom« men wäre. Eine Gesellschaft von jungen teuten aus den angesehensten Familien in Paris kam auf den Einfall, ein Theater zu gründen, von welchem he« ab die Mitglieder des Ordens in satyrischen Schau» spielen unmittelbar alle Narren züchtigen, mittelbar aber und vorzüglich die Parteien und Individuen aus der großen Welt, mit denen sie unzufrieden waren, ohne Schonung verspolten sollten. Die muthwillige Gesellschaft nannte sich Die Kinder ohne Sorgen (I« ^ntan« ssn« iouci). Auck sie erhielten unter der Regierung des Königs Carl VI., ehe noch der englische Krieg wieder ausbrach, leicht ein Privilegium. Damals ließen sie sich die Schran« ken gefallen, die ihren Ausfällen gegen bedeutende Personen durch die Umstünde geseht wurden. Als aber die Engländer siegreich selbst in Paris einrück« ten, die Regierung des Staats ohne Kraft war, und die polnischen Parteien, besonders die engl!» sche, die orleanische, und die burgundische, gar nicht ungern sahen, wenn ein Großer verspottet wurde, der nicht zu ihnen gehörte; da dehnten auch die jungen Herren, die sich Kinder ohne Sorgen nann« ten, ihr Privilegium aus, so weit es ihnen belieb« le. Während ihre Schauspiele immer mehr Bei« fall fanden, bildete sich ihre Verbindung immer fe, ster zu einer komischen Innung aus. Ihr Vorste« her hieß der Fürst der dummen Welt (kriuc« Vomerwek', Gesch. d, schön. Redet. V.V. H 6« ä« lc,«) ^). Ihre Schauspiele selbst nannten sie Dummbartsspiele, Sollten, oder Sottisen. Sie selbst blieben Kinder ohne Sorgen, und stellten die Narren, die damals mit den Dum«» wen noch in eine Classe gerechnet wurden, nur auf dem Theater vor. Da spielte man zum Bei, spiel den liederlichen Narren (lue cüllulu), den Betrieger (lot trompeur), den Idioten (iot Ignorant), und dergleichen Charakterrollen mehr. Die alberne tustigkeit wurde in der Frauenzimmerrelle einer Sötte solle vorgestellt. Nach der Wiederherstellung der alten Monarchie in Frankreich scheinen die Könige selbst ihr Interesse dabei gefunden zu haben, die Gesellschaft der Kinder ohne Sorgen in ihren Spielen nicht zu stören. Wahrscheinlich wußten diese Kinder sehr gut. wen sie necken durften, und wen sie schonen mußten. Hätte ihre Satyr« nicht politische Rück» sichten genommen, so würden sie sich unter dem tyrannischen tudwig XI., der ganz Frankreich mit «iseruer Ruthe regierte, nicht haben erhalten können. Und wie impertinent sie zu einer an«

dern

ln) Man hat den Titel ?llnce ä« tot« Narrenkinig übersetzt, und die 8ottie« oder 8c>ttiic« Narrenpos, sen im Deutschen genannt, z.B. Flügel in s. Gesch. der kom. Litteratur. Freilich kennt die ältere franzisi, sche Sprache noch nicht die genaue Unterscheidung zwl» scken dem Dummen und dem Narren, dem 3«c und dem lou. Aber unter den Rollen aus dem Theater der I5n. l»u« tan, louci kommt doch eine besondre 8otte/«//<? Vor. Der ?rince «l« lots führte allerdings diesen Titel in Beziehung auf die Welt, deren Narrheit sein Reich begründete, und nicht in Beziehung auf die Ge, sellschaft, deren Vorsteher er war. Aber das Wort 8ot hat in dieser Verbindung nicht das Schneidende Hes deutschen Wortes Narr. Es klingt mehr joviallsch.

dern Zelt wurden, bewiesen ihre Ausfälle gegen den guten König iudwig XII., der sie gewähren ließ und, als sie seine nolhwendige Sparsamkeit verspotteten, die schöne Antwort gab: "Ich will lieber, daß man über meinen Geiz lache, als, daß man über mein« Verschwendung weine." An Keckheit und Selt, samkeit scheint es auch' den dramatischen Erftndun» gen dieser Gesellschaft nicht gefehlt zu haben. Aber zur Veredelung der dramatischen Kunst haben sie wenig, oder nichts, beigetragen. Ihr Geschmack folg« le den Spuren der mittleren Jahrhunderte. Ihre komischen Dichtungen hatten gewöhnlich einen allegorischen Zuschnitt. Eine Hauptrolle auf die, fem Theater spielte die Welt. Mit der Welt be, schäftigten sich dann gewisse personisicirte Charakter« sonnen ohne alle Individualität, zum Beispiel die Unwissenheit, die tiederNchfeit, die Bett iegerei, in den Rollen des unwissenden Narren, des liederli» chen Narren, des betriegerischen Narren. In el? ner solchen Sottise tritt ein Mal die Welt mit der Klage auf, daß ihr Reich nicht mehr bestehen wolle. Der Mißbrauch (KKu«) erscheint, und räch ihr an, wieder der weltlichen tust (l^i. ümce inonciaine) zu folgen. Sie schläft vor MÜl digfeit ein. Der Mißbrauch, als Wunderchäter, klopft an allegorische Bäume, die umher stehen. Aus dem Baume der llederlichkeit springt ein lie» derlicher Narr hervor, als Geistlicher gekleidet; aus einem andern Baume wird der großthuende Narr (8ot Zlorieux) hervorgezaubert im Costum ei» «es Soldaten; ans einem dritten Baume der be» stechen« Narr als Gerichtsperson. Solcher Nar» «n kommen auf ähnliche Art noch einige zum Vor, schein. Diese sämmtlichen Narren brrathschlagen

H » sich

sich nun über die Erbauung einer neuen Welt. Je« der chut Vorschläge, die seinen Wünschen gemäß sind. Sie fangen an, zu bauen. Der liederliche Narr will bei dem Bau eines Kirchenpfellers die Andacht anbringen, findet aber, daß sie sich da, zu nicht schickt. Er wählt die Heuchelei an ihrer Stelle. Nachdem der Bau schon von allen Seiten vorgerückt ist, wählen die sämnulichen Baumeister die eigentliche Narrheit (kolie) zur Dame ihres Her.zens, suchen sie zu erhaschen, und rennen dabei ihr neues Weltgebäude um. Die alle Welt wacht über dem türm auf, moralisirt über die Narren, und endigt das Schauspiel mit lehren, die zu ihrer Zeit ganz nützlich gewesen seyn mögen "). Der Witz der "Kinder ohne Sorgen" zeigt sich in der Aus« führung ihrer allegorischen Farcen eben so roh, als in der Erfindung °). >

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