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u) Die Memoire« der Chnstine de Pison stehen, nur hier und da ein wenig abgekürzt, in der lDullecHivu uuiverseile, ^om. V.

schäft daraus, denkwürdige Begebenheiten ihrer Zeit in der Form von Memoires zu erzählen. Aber die historische Kunst rückte darum durch die meisten dieser Memoires nicht vor. Auch Styl und Ausdruck gewannen nichts bei der nun schon gewöhnlichen Art, zu berichten und zu beschreiben. Man schrieb im Ganzen gegeH das Ende des fünfzehnten Iahrhun, dercs noch eben so, wie gegen das Ende des drei« zehnten. Auch poetische Anlagen sicherten die Per« fasser der Memoires, wenn sie Prose schrieben, nicht vor den Einflüssen des Chronikenstyls. Der Ritter Ollvier de la Marche, berühmt durch eine gro« ße militärische und politische Rolle, die er in den Unruhen seines Vaterlandes spielte, schrieb seine Memoires in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. Aber so schätzbar ihr Inhalt ist, so> schleppend und chronikenmäßig sind Sprache und Styl in den Memoires des Olivier de la Marche; und doch machte dieser Ritter auch Verse, die man damals vortrefflich fand. Es war also noch inuner in Frankreich keine gemeine Kunst, Memoires mit einer so gefälligen, dem Geiste und Inhalt solcher Schriften vorzüglich angemessenen Beredsamkeit, wie Ioinville, zu schreiben. Ioinville blieb uner? reicht, bis in« der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts, um dieselbe Zeit, als Olivler de la Marche vergebens nach wahrer Beredsamkeit streb, te, Philippe de ComineS auftrat, der geistreichste, cullivirteste, und überhaupt in rhetorischer und pragmatischer Hinsicht erste aller Verfasser fran, zösischer Memoires vom dreizehnten bis gegen das siebzehnte Jahrhundert.

Philippe de ComineS, aus einer der an, gesehnsten Familien des flandrischen Adels, geboren im Jahr 1445; erzogen am prächtigen Hofe Phl, lipp's des Guten von Burgund; als Herangereif, ter Mann anfangs in burgundischen Diensten, dann Vielleicht Verräther an dem burgundischen Hause, und seitdem erster Günstling und Rathgeber des verhaßten Königs tudwig'sXI.; dieser, in der Staa« lengeschichte bekannte Mann verdient auch in de« Geschichte der Beredsamkeit eine ausgezeichnete Stel» le. Ueber den moralischen Wenh seines Charakters sind die Stimmen getheilt. Seinem Kopfe lassen alle Parteien Gerechtigkeit widerfahren. Wenn auch nur das Wenigste von dem wahr ist, was andre Schriftsteller seiner Zeit Nachtheiliges von dem König iudwig XI. erzählen; oder selbst, wenn matt diesen eben so schlauen und unternehmenden, als ge» fühl- und gewissenlosen Despoten nur nach seinen Thaten beurtheilt; so besteht sein beredter Sachwalter Comines noch immer schlecht vor der moralisch«« Gerechtigkeit. Aber ein Staatsmann und. praktischer Menschenkenner war Comines, wie es nicht viele gegeben hat. Einen solchen Mann wüßt te tudwig XI. zu schätzen; denn er konnte ihn vor tausend andern gebrauchen. Comines scheint in sei» «er moralischen Denkart einer von Denen gewesen zuseyn, die der nützlichen Maxime folgen, die v«, dorbene Welt gehen zu lassen, wie sie geht, in sei, nem eigenen Betragen eine ehrenwerche Honettetät zu behaupten^ im Streite der Parteien es mit der klügsten zu Halters, und aus den Umständen jeden anständigen Vorcheil zu ziehen. So zeigt er sich auch in seinen Memolres "). Nirgends spricht er

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») In der colleililll, universelle, l'üln. X-Xll. Vouttlw««'« Gesch. d. schön. Redet. V. V. I wie ein ängstlicher Advocat, der irgend nöthig hätte, einer schlechten Sache einen Mantel umzuhängen. Mit der ruhigsten Würde eines Mannes, der er, haben ist über das Geschwätz der Welt und über die beschränkten Ansichten der Menge, führt er den Monarchen, dessen Partei er genommen, so unbefangen, als ob ein Trajan oder Marc Aurel sich zeigen sollte, dem Publicum vor. Er wolle gar nicht loben, was nicht lobenswürdig sey; aber,jeder Mensch habe feine Fehler; ein großer Herr entbehre mehrere Vortheile der moralischen Erziehung; und Eins gegen das Andere gerechnet, sey iudwig Xl. einer der vortrefflichsten Regenten gewesen '). Despotische Gewissenlosigkeit im tauf eines ganzen Regentenlebens war also in den Augen des großen Weltmannes Comlnes nur ein Fehler, der durch die Tugend einer ungemeinen Klugheit vergütet werden konnte. Aber man bemerkt kaum den Man, gel an moralischer Würde, wenn Man diese Memoi, res liefet. Von der naiven Gutmüthigkelt des^ Ioinvllle trügt zwar auch der Styl des Comlnes keine Spur; aber eine solche Fülle des praktischen

Ver,

2) Hier sind die eigenen Worte des Comlnes.

Ln luv et en tou« Zutre« prince«, ^ue j'gv connu c»u lervv, »v connu clu dien et clu mal: csr i!« iont Komm« comme nou«. ^ Die» leul 2pu2rtient lg perteHion. Ivl^i«, ylmncl en un ?lince I» vertu et donne« conclition« orececlent le« vice«, il est clißne 6e ßrgncl memoire et loüanze: veu c^ue tel« perlonngße« lont plu« enclin« en ckole« volontgire«, <^u'2Utrc« nom-> > nie«, tgnt pour I2 nourriture et vetit ckattov ou'il« ont eu en leur jeunelle, «zue pour ce c^ue vengu« en^ l'23zi cl'nomine, >2 pluzpZrt cle« ßen« talclient ä leur compiaire, et 5 leur« complexion« et conclition«.

Verstandes, wie sich bei Comines findet, sucht matt bei Ioinville umsonst; und die Maximen der le» bensklugheit, die Comines in seine Memoire« ver« flochten hat, beleidigen nicht leicht das Gefühl des rechtlichen Mannes. Die präcise und männliche) Sprache des Werks harmonirt vortrefflich mit sei« nem inneren Charakter. Sie hat noch viele Zü» ge vom alten Chronikenstyl. aber im Ganzen doch eine ieichtiqkeit, in der selbst Ioinville den Comi, «es nicht übertrifft. Man muß bei der Schätzung dieser Memoire« nicht vergessen, daß bis dahin noch überall kein Geschichlschreiber in einer neueren Spr« che dem GeA und Styl des Thucydides und des Tocitus so nahe gekommen war, als Comines. Man scheint dieß auch außerhalb Frankreich gefühlt zu haben; denn die Memoires des Comines wur< den bald, und gewiß nicht bloß um der historischen Aufklärung willen, in mehrere europäische Sprachen und in das lateinisch« überseht. Die Anschau« lichkeit der Darstellungen hat bei Comines, selbst w» er nichts Ungewöhnliches erzählt, den Charakter der Reflexion °). Comines verstand die Kunst des

wahren

2) Man lest die Stelle, tn welcher von dem Betrogen der franziliscken Truppen, die in Italien einrückten, die Rede ist.

sollte Italic Ne »lessroient qli'ii le redeller, 6 clu cc»Ue «lu Kay lel l>st«lre« sc tuNe»t bien eonciiiit«, et en Oräre» l»!,z pillerie; NiZig tout Fe igjloit gu eol^. traire; clont j'^y eu ßrancl lielli!. pour l'lwnne!!? et donne renoinmee <^ue pouvoit »c^uerir en ce Vo^g^s l» »5tlo» Pl-Äü^oise. l^gr le v/eu^le nou« Zclvolioit conime Fginiiz, estiwÄNz en liou« tciltte ic>> et bolite'; w»i« ce propo« nc leur clurg ßliere«, t«!it Udur iiottrS «iezarclre et pilleriej et <;u'3ui1i le^ cni,ein>5 pre^ lckoicnt I« pendle en tau« «^ugltier«, «ou» cliartzean«

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