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fem Wege konnte also die französische Poesie keine Fortschritte machen.

Hätte Jean Marot mehr Gefühl für das Wesen der Poesie gehabt, so würde er selbst nicht einen vorzüglichen Werth aufsein Lehrbuch für Prinzessinnen (Doktrin»! cl« princelles) gesetzt haben. Unter diesem Titel reimte er nützliche lehren und Anweisungen zur Tugend der Frauen in vier und zwanzig Rondeaux zusammen. Aber dieses lehr, buch wurde, well es so moralisch war, bei Hofe und im französischen Publicum ungemein geschätzt. Merkwürdiger sind die Episteln (Lpitr«) von Jean Marot; nicht um ihres poetischen Verdienste«' willen, sondern wieder als Beweise der prosaischen Tendenz des französischen Geistes, die sich sogleich wieder zeigte, als man die Poesie zu veredeln an» fangen wollte. Es sind versificirte Sendschreiben voll Complimente, eleganter Wendungen und Phra» sen, bei verschiedenen Veranlassungen geschrieben. Die Versart wechselt in diesen Episteln schon auf eine ähnliche Art ab, wie in den viel geistreicheren aus den späteren Zeiten der französischen iitteratur. Aus einer, im Nahmen der Pariserinnen an die Armee, die in Italien stand, geschriebenen Epistel von Jean Marot sieht man bei Gelegenheit, in wel» chem Tone damals die französischen Damen von ihren eigenen Reizen sprachen "). Die kleineren

u) Jean Marot läßt die Pariser Damen auf folgende Art ihre Reize mit denen der Italienerinnen vergleichen:

VKnt vient cel«? iinon q»e!' n'ont p2«,
Vnz don rep2» estan« en Icu« tejour«;
Hl«i« Huant «'cn vnnt äellu« antrug «pfM«,

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Gedichte von Jean Marot sind Rondeaux und an, dre lyrische Hebungen im alten französischen Styl, und von den älteren Gedichten ähnlicher Art nur durch die neuere und verfeinerte Sprache unterschied den. Schwärmerisch sind sie durchaus nicht, die geistlichen so wenig, als die weltlichen, man müßte denn das. Theologische in jenen schwärmerisch nen, nen wollen.'

Mit dem Sohne des Jean Marot kommt endlich ein eminenter Nähme in die Geschichte der sran, zösischen Poesie.

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F>s?n« /ömme^, et ie /ei'o»^. ^«lcla?«^ comme Vlei/ie^ öeTace^,

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gen, die bei ihnen vorzugsweise so heißt"), ist mit seiner Poesie so genau verwebt, daß man sein leben als einen Schlüssel zu seinen Gedichten kennen muß ?).

Clement Marot, geboren zu Cahors im Jahre 1495, wurde von seinem Vater Jean Marot früh in die große Welt eingeführt. Seine Talente ent« wickelten sich schnell. Kenntnisse erwarb er sich mit teichtigkeit beiläufig. Ein lustiges und galantes le» ben zu führen, und Vers« zu machen, fühlte er sich mehr berufen, als folgerecht den Unterricht seiner tehrer zu benutzen, die er selbst noch in seinen spä» teren Versen für Tröpfe (Kote,) erklärt. Mit dem Regierungsantritte des Königs Franz I. sing in den Sitten des französischen Hofes und der Pariser die Epoche an, die seitdem, nur in verschiedenen For, Mn, bis auf die neuesten Zeiten fortgedauert hat. Geistreiche Ausschweifung, damals noch mit einem Anstriche von altritterlicher Galanterie, aber im Grunde schon so frivol, wie im achtzehnten Jahr, hundert, wurde das Erste und letzte in der guten tebensart eines Mannes von Welt. Marot war wie geschaffen für eine solche Welt, leichtsinnig,

witzig,

x) So spricht auch der «leqante La Harpe in seinem be« kannten courg äe I^ittsrÄture l'om. IV., wo dieses Wert dem Geschichtschreiber der französischen Poesie brauchbar zu werden anfängt. Man erfährt da sogleich, was dieser Kritiker vorzüglich bei der Schätzung des voe, tischen Verdienstes erwägt, nehmlich die Harmonie der Versification nach den neueren französischen Grundsätzen, dann die ßrace und den cnarme 6u N>!e, das Eigene der tournure und der exr<relll<)n5, u. s. w.

?) Am ausführlichsten, wenn gleich nicht am besten, er» zählt ist das Leben des Clement Marot vor der großen und besten Ausgabe seiner Werke. S. oben die An» merk. 0).

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witzig, jovialisch, sinnlich, in einem Grade, als ob er den Charakter seiner Nation in einer der auf» fallendsten Formen repräsentlren sollte, fühlte er sich schon als Jüngling zu Paris ganz in seinem El« mente. Zur ernstlichen Schwärmerei hatte nie, wand weniger Anlage, als er. Aber den Dame« in galanten Versen den Hof zu machen; scherzend im Tone der naiven Traulichfeit sich die ernsthafte« sten Freiheiten zu nehmen; sein Glück in der schönen Welt lachend zu benutzen, wo er es fand; sich über kein Unglück sonderlich zu grämen; und den ganzen frivolen Roman seines Lebens, mit und oh« ne Delicalesse, wie es ihm die Laune eingab, zun» Inhalt der Verse zu machen, die ihm mit bewundernswürdiger Leichtigkeit bei jeder Veranlassung entströmten; das war ein Leben nach dem Sinne dieses Franzosen. Er war weder schön, noch ansehn« lich von Gestalt. Aber seine Stumpfnase wurde bald vergessen, wenn er den Damen die schönsten Sachen sagte; und er sagte sie im Styl des Zeit» allers mit einer naiven Anmuth, die Jeden bezauberte, wer ihn hörte und las. Seine Art, mit Empfindungen zu scherzen, wurde um so reizender gefunden, da sie sich zuweilen ganz wie romantischer Ernst ausnahm. So gelang es ihm, dem durch« aus llbertinischen Menschen, der seine gewöhnlichen Ausschweifungen um einer Liebschaft willen zu unterbrechen nie der Mühe werch fand, bei den schönsten und geistreichsten Frauen am Hofe Franz I. ein Glück zu machen, dessen sich selten ein Dichter rühmen kann. Man verschaffte ihm, als er ungefähr achtzehn Jahr alt war, die zu jener Zeit nicht un» ansehnliche Stelle eines Kammerdieners (Valet üs «kLmbre) bei der Prinzessin Margarelhe, der Schwe«

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