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lua geflossen ist. Gegen die schlechte Justiz, be< sonders gegen die Entstellung der Rechtspflege durch Künste solcher Advocalen, deren einer den andern zu verwirren sucht, kommen eben so lustige, als treffende Ausfalle vor. Den weltläuf» tigen Verhandlungen über das Heirathsproject des Panurgus im dritten Buche fehlt es nur an An« ständigfeit und Feinheit. Auch die burleske Paro, dirung des Styls der alten Ritterromane in der Erzählung der ungeheuren Thaten des Pantagruel> und eine Menge anderer possenhaften Caricamr, züge in den letzten Büchern sind mit wahrer Sa<

tyre durchwein.

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Die Originalität des Rabelais lockte sogleich «inen Schwärm von Nachahmern herbei. In der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts kamen eine Menge Fortsetzungen des Pantagruel und ähnliche Erzählungen in derselben Manier zum Vor» schein. Es war wenigstens eine poetische Form der Satyre, was auch diesen Nachahmungen einen Werth giebt. Aber Rabelais blieb in seiner Sphäre unerreicht. Es folgte auf ihn kein französischer. Cer« vantes. Die ganze Gattung satyrischer Romane in der Manier des Rabelais behielt ihre erste Rohheit, und wurde in der Folge ganz vernachlässigt» bis im achtzehnten Jahrhundert Voltaire sie durch einige kleinere Dichtungen gewissermaßen Wiederher« stellte und höher «ultivlrte ").

In

«!) Eine Reihe von Nachahmungen des Gargantu» und Pantagruel hat Blankenburg in seinen Zusätzen zu Snlzer's Wörterbuche unter dem Artikel Satyre «uf» gezeichnet. .

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In den letzten Decennien des sechzehnten Jahrhunderts fingen die Schäferromane an, das französische Publicum zu beschäftigen. Es war ge» rade die Zeit, wo es in Paris zum guten Ton gehörte, mit der spanischen Sprache und Poesie Bekanntschaft zu macken. Besonders wurde die Diane von Montemayor von französischen Herren und Damen fieissig gelesen «). Vielleicht wurden nuch einige portugiesische Schäferromane in Frankreich bekannt. Vorher Halle es schon einige unbedeutende Versuche gegeben, durch Schäfernovel» len, unter denen, nach französischer Sinnesart, vor, züglich komische nicht fehlen durften, eine neue Bahn in diesem Felde der romantischen Dichtung zu brechen. Ein gewisser Olenlx dü Mont sae <re, wie er sich anagrammatisch nannte, oder Ni, «olas de Montreux, wie er eigentlich hieß, hatte in seinen Bergerien von der Iuliette <Lerßerie« cie Iuliette) allerlei romantisch« bukolische Erfindungen und Einfälle in der Form eines Schä, ferromcms zusammengetragen. Der französische Gel schmack war also vorbereitet auf die Nachahmungen de« spanischen oder ursprünglich portugiesischen ) Schäferromans, der durch phantasiereiche Compo, sitlon und durch schwärmerische Zartheit de« Ge« sühls sich von allen ursprünglich französischen Dicht tungsarten, die zur Schäferpoesie gehören, sehr unterscheidet.

Der erste Franzose, dem es gelang, ganz dev Ton des spanischen und portugiesischen Schäferro,

man«

«) Vergl. diese Gesch. der Poesie und Beredsam?. Vand III. S.2l6.

f) Vergl. Band lV. B. HF.

mans zu treffen und im Geist und Style einer sol, chen Dichtung mit Montemayor zu welteifern, war Honore d'Urfe, dessen Astrea (^Nree) mit En, thusiasmus aufgenommen wurde, alle übrigen Ro, mane derselben Gattung lange Zeit verdunkelte, und noch im Zeltalter iudwigs XIV. bei einem Thelle des französischen Publicums für ein unübertreffliches Meisterwerk galt. Honore d'Urfe, von angesehe» ner, aus Deutschland abstammender Familie war im Jahr 1567 zu Marseille, also im alten Vaterlande der provenzallschen Poesie, geboren. Der Ue» berrest, der sich von provenzalisch-romantischer Denkt und Sinnesart im südlichen Frankreich erhalten hat« te, scheint sich dem geistreichen Manne ohne sein Wissen mitgelhellt zu haben. Er verband mit seinen litterarischen Studien schwärmerische Herzens» angelegenheiten. Diesen durch freie Umbildung eine poetische Form zu geben, schrieb er sein« Astrea, die er auch den Roman seines lebenS hätte nennen können. Am Hofe Heinrichs IV. fand D'Urfe keine günstige Aufnahme, weil seine Familie zu denen gehörte, die sich vorher am lebhaftesten gegen die Bourbonische Partei erklärt hatten. Desto mehr wurde er am savonischen Hofe ausgezeichnet. Sein Todesjahr scheint nicht genau bekannt zu senn. Der erste Theil der Astrea kam im Jahre 1610 her, aus. Was die lebenSgeschichte D'Urfe's sonst Merkwürdiges hat, ist in seinen Roman ungefähr mit derselbin Art von romantischer Kunst verwebt, die der Portugiese Ribeiro schon zu Anfange des sechzehnten Jahrhunderts in die titteratur eingeführt hatte, und die von Montemayor welter aus, gebildet war. Die französischen titteratoren melden nicht, daß D'Urfe den Montemayor studiert und

T 4 nach«

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nachgeahmt habe; aber die Ähnlichkeit zwischen der Astrea von D'Urfe und der Diana von Montema« yor ist zu auffallend, als daß sie aus einer zufälligen Uebereinstimmung der romantischen Phantasieen bell der dichterischen Köpfe erklärt werden könnte. Auf wessen Seite das größte poetische Verdienst ist, kann niemand bezweifeln, wer die Diana von Montema» yor im Original gelesen hat, und sich besonders an die romantische Schönheit der versiftcirten, zum Theil unübertrefflichen Stellen erinnert. Die wenigen versificirten Stellen der Astrea sind das Schlich» teste im ganzen Werke. Und in der zarten, nur zu oft mehr grüblerischen, als natürlichen Enlwickelung der romantischen Gedanken und Gefühle sind beide Romane einander ungefähr gleich. Nur in der reicheren Composition des Ganzen übertrifft D'Urfe den Montemanor. Außer der Geschichte seiner ei-' genen Herzensangelegenheiten hat er eine Menge anderer aus dem wirklichen leben seiner Bekannten durch sehr kunstreiche Anordnung in seine Dichtung verwebt, eine Menge artiger Novellen, nach ro» mantischer Art, eingeschaltet, die Verwickelung la, byrinthisch ausgeführt, und doch dem Ganzen Ein, heit zu geben gewußt. Er selbst hat sein Werk «inen allegorischen Schäferroman (karto«!« sIIeZori^ue) genannt, aber nur im uneigentltchen Sinne. Was er unter Allgorie verstand, ist nichts anders, als eben die Einkleidung wirklicher Be« gebenheiten in eine bukolische Dichtung. Ohne Zweifel hat aber selbst der Reiz dieses uneigentlichen Allegorisirens mitgewirkt, den Roman bei dem fran< zösischen Publicum beliebt zu machen, das von den ersten Zeiten der französischen Poesie an gewohnt war, die höchste poetische Schönheit in Allegonen

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