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Aber Du Vair hatte auch die wahren Vorzüge der griechischen und römischen Beredsamkeit erkannt. Seiner Abhandlung über die wahre Beredsamkeit soll bald weiter gedacht werden. Wie vertraut er mit den alten Rednern war, beweisen seine Ueber, setzungen einiger Reden des Demosthenes und Ae, schlnes b). Auch als didaktischer Schriftsteller wür, de er mehr geleistet haben, wenn sein Gedanken, treis jenseits der Rechts < und StaatSwissenschaften nicht so enge gewesen wäre. Die christlichen Betrachtungen, die einen Theil seiner Werke ausmachen, sind indessen auch nicht übel geschrieben.

In einer speclelleren Geschichte der geeicht, lichen Beredsamkeit der Franzosen dürfen auch die Plaidoner« von touls Servin, Jacques de Puymissons, Clau^deFayilly, und Anleine le Mnitre nicht übersehen werden '). Die Talente aller dieser französischen ParlementSredner hat« ten sich in den Zeilen der bürgerlichen Unruhen entwickelt. Nachdem durch Heinrich IV. dl« öffent« liche Ordnung im ganzen Reiche wieder hergestellt, und durch Richelieu die unumschränkte Gewalt de« Königs von allen Seiten befestigt war, durfte der energische Ton jener Redner nicht mehr in den

fran»

nioin« leron«. nnu« »ueunement conten» öe I'«voir ckercki, et avoir renäu 2 noNre pauvre «t 6elc>I« pZtrie tout ce que nou« »von« scu äe lecou«.

K) Sie stehen in seinen eben angeführten sammtliche» Werken.

l) Weitere Auskunft über diese Redner und Ihre »edruck« ten Werke «lebt unter andern litterorifche» Schriften GoujetS Libliotlie^ue sran^uise, l'om.II.

französischen Parlementen gehört werden. Die Pro l

testallonen, denen der König, sobald er wollte,

durch seine persönliche Erscheinung im Parlement

(das sogenannte l^it cie juNice) ein Ende machen

konnte, wurden gefährlich für den Redner, ohne

dem Staate sonderlich zu nützen. Und durch bloße

Apvocatenbered'amkelt in Clvilsachen konnte sich die

eigentlich oratorische Kunst nicht heben. Bewiesen

war indessen durch die Menge von nicht gemein««

Rednern, die in den Zeiten der bürgerlichen Kriege

das Wort im Nahmen der französischen Nation

führten, mit welchem Glücke der französische Geist

dieser Richtung folgte, und wie dasselbe Studium

der alten titceratur, das der französischen Poesie

wenigstens eben so schädlich, als nützlich, wurde,

auf die französische Beredsamkeit fast nur günstige

Einflüsse halt«. Denn das Prunken mit der alten

iltteratur verlor sich bald; aber der Geist und die

klassischen Formen der wqhren Beredsamkeit nach

griechischen und römischen Mustern erhielten sich;

und während die französische Poesie nur ein matter

Wiederschein der antiken wurde, konnte keine neuere

Nation sich rühmen, durch schöne Prose im Gan,

zen sich den Alten so weit genähert zu haben, wie

die Franzosen.

Keine Nation hatte auch so viele Ueber, setzungen des Cicero und der griechischen Redner, als die Franzosen in kurzer Zeit während der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhundert« er« hielten. Die meisten dieser Uebersetzer, die mit einander wetteiferten, waren Parlementsrälhe und Rechlegelehrte. Mehrere von ihnen übersetzten freilich den Demosthenes in «in barbarisches Juri«

tten» sienfranzösisch. Aber die schlechten Übersetzungen weckten das Bedürfniß besserer. Daher folgte» besonders der Übersetzungen des Demosthenes in kurzer Zeit so viele auf einander. Gleichwohl ist feiner von ihnen musterhaft nach den späteren For« derungen des französischen Geschmacks, well sie sich jetzt sammtlich mehr oder weniger altvaterisch auenehmen. Mit dem Zeitalter Richelieu'« fängt die Reihe der eleganteren Übersetzungen griechi, scher und lateinischer Autoren in der französischen Utteratur au. Damals aber war auch die Epoche vorüber, in der die oratorische Kunst der Franzose» sich mit republicanischer Kraft äußern durfte ").

Di« Kanzelberedsamkeit blühte in Frank« reich auf. als die politische Beredsamkeit ausstarb. Im sechzehnten Jahrhundert und in den ersten De« cennien des siebzehnten scheint sich kein französischer Prediger, weder von der katholischen, noch von der protestantischen Partei, durch ästhetische Vor, züge seiner geistlichen Reden ausgezeichnet zu haben. Wenigstens hat sich in der iitterärgeschicht« der Beredsamkeit kein Nähme eines berühmten sran, zösischen Kanzelredners aus dieser Periode erhalten. Von mehreren damals sehr beliebten französischen Predigern weiß man nur, daß sie auf der Kanzel fast noch mehr lateinische und griechische Floskeln, Citale, und gelehrte Notizen, als selbst die Par, lernen tsräthe und Advocaten in ihren politischen und

gerichtlichen Vorträgen anbrachten.

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m) Auch zur genaueren Kenntniß der älteren französischen Ucbelsctzünqeu griechischer und römischer Neben giebt der Hte Band der Libl. irm^oile eine gute Anweisung,

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Dl« französische Poetik und Rhetorik, die bis um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts nur ein Chaos von Fragmenten zur Kennmiß der Reimkünste, vermischt mit verworrenen Begriffen nach einigen Grundsätzen des Aristoteles und Quin, zilian, gewesen war, nahm nun auch eine bestimm« <ere Form an, da das Studium der allen Utterazur der Kritik ein neues Feld eröffnete. ^Was man bis dahin in Frankreich von der Poetik und Rhetorik des Aristoteles wußte, war nur als zu, fälliger Anhang zur aristotelischen Philosophie durch die scholastischen Studien in Umlauf gekommen. Jetzt, da man es mit Eifer auf poetische und rhe« lorlsche Eleganz nach griechischen und römischen Mustern anlegte, sah man die ästhetischen lehren des Aristoteles aus einem andern Gesichtspunkte an. Aber der scholastische Glaube an die unbedingte Autorität des Aristoteles erhielt sich in der ftanzösi« schen Kritik, als er aus der Philosophie verschwand. Bei dem raschen Streben der Dichter und Redner, die französische Poesie und Beredsamkeit nach den Mustern des classischen Allerthums umzuformen, fühlte man das Bedürfniß solcher Grundsätze, auf die man sich berufen konnte; und unfähig, durch freie Reflexion den Horizont der Kritik zu erweitern, studirte man die Poetik und Rhetorik des Aristo teleS wie ein Corpus Iuris. Horaz, Cicero und Quintilian erhielten bald ein ähnliches Ansehen. An den Unterschied zwischen antiker und romanei« scher Poesie, abgerechnet die Sylbenmaße, Reime, und Gattungsnamen der Gedichte, dachte man eben sowenig, als an Entdeckung höherer Gesetze, nach denen selbst die alten Classiker einer Prüfung hätten unttrworfen werden können.

Der

Der merkwürdige Einfluß der Poetik des Aristo« tele« auf die französische Poesie war im sechzehnte!» Jahrhunderte schon entschieden. Aber es unternahm doch noch kein französischer Gelehrter eine Ueberset» zung dieses Werks in die französische Sprache; ver, muthlich. weil man eine solche Uebersetzung für ent» behrlich hielt, die Jeder, wer damals in Frankreich auf litterarische Bildung Anspruch machte, wenn auch nicht Griechisch, doch wenigstens tatein genug ver« stand, den Aristoteles in einer von beiden alten Spra» che« zu lesen. Nur historisch hat sich eine Nachricht von einem Professor Nicolas Pierre, genannt Dü Bosc, erhalten^ der zuerst die Poetik des Arl» stoteles in das Französische übersetzt haben soll. Die erste bekannte Uebersetzung dieses Werks in französi» scher Sprache hat einen gewissen Norville zum Verfasser, der schon in das Zeitalter tudwlg's XIV. gehört. Aber von der sogenannten Poetik des Ho« raz wurde schon im Jahr 1545 eine französische Ue, Versetzung in Versen geliefert. Der Verfasser heißt Jacques Pelletier dü Mans. Dieselbe Ueber« sehung wurde wenige Jahre nachher wieder aufgelegt. Im Jahre 1588 folgte eine neue Uebersetzung von zwei Brüdern te Chevalier d'Agneaux. Der Verfasser der ersten französischen Uebersetzung de« Rhetorik des Aristoteles heißt Jean dü Sin. Sie erschien im Jahre 1608.

Mit den Grundsätzen des Aristoteles und Horaz die besonderen Gesetze der französischen Dichtungsar, ten und Reimformen theoretisch in Übereinstimmung zu bringen, bemühten sich seit der Mitte des sechzehn, ten Jahrhunderts so viele französische Poetiker, daß einer kaum vor dem andern zu Worte kommen konnte; und doch fanden sie alle Beifall. Thomas Sibi,

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