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das ihrige ausgegeben habe, konnten wohl nur !it< terato«« vermuthen, denen der liebenswürdige Cha« rafter dieser Schriftstellerin, der doch bei Hofe und in allen Verhältnissen des geselligen tebens anerkannt wurde, und der sich auch in ihren Schriften aus« spricht, zu wenig Zutrauen einflößte. Die Gräsin de la Fayette starb im Jahre I693 ').

3. Nicht so groß ist die Anzahl der komischen Romane in der französischen iitterarur dieses Zeilraums. Die Dichter und schönen Geister in Frankreich mochten damals ihr Talent zur konujchen Poesie lieber in tustsvielen zeigen, als in Romanen. Nur zwei dieser witzigen Köpfe. Scarron und te Sage, gewannen durch ihre komischen Romane di« Gunst des Publicums mehr, als durch ihre tust» spiele. ,'

Paul Scarron, burlesk als Mensch und als Dichter, und durch seinen Witz eben so berühmt, als durch seine Verheirathung mit der merkwürdigen Frau, die unter dem Titel Marquise de Main« lenon zuerst Favoritin, dann gar Gemahlin tud, wig's XIV. wurde, hat in seinem komischen Romane, den er vorzugsweise so (le Kninsn comiczue) nannte, alle Talente glänzen lassen, durch die er seinen Zeit« genossen noch interessanter wurde, als er es der Nachwelt geblieben ist. Wer diesen Sonderling, der sein unglückliches Schicksal mit einem eben so komischen, als seltenen Heroismus ertrug, persönlich kann«, mußte auch die unbedenteudsten Späße merk,

würdig

«) Die sämmtlichen Roman« und historischen Schriften dieser Dame findet w»n beisammen in den Oeuvre« clo dlÄ^me c!e l» lÄvette, ^mK«ä«» et kar«, 178Ü, in S 0ctnvvandchtN»

würdig finden, durch die ein solcher Mensch sein

Daseyn erheiterte. Und „och jetzt geht von Scar,

ron'S Schriften mehr, als die Hüls« ihrer komischen

Kraft für denjenigen verloren, der Starron's teben

nicht kennt. Aber es ist auch fast Jedem bekannt,

wer kein Fremdling in der Geschichte der französi,

scheu titteratur ist, daß Scarron, der seit seinem

Jünglingsalter an Händen und Füßen verkrüppelt,

dazu noch von andern körperlichen Gebrechen ge«

drückt, und fast immer krank war, bis an seinen

Tod unerschöpfilch an burlesken Einfallen, mit dem

Tode selbst, wie mit stimm Elende, scherz«. Er

starb im Jahre 1660. Die Anekdoten zu wieder»

hohlen, aus denen Scarron's energischer Charakter,

wie sein Witz, hervorleuchtet, ist hier nicht der Ort.

Scarron gehört nicht zu den witzigen Köpfen vom

ersten Range, nicht zu denen, die tiefer, als andere,

in das Innere des tebens blicken, der menschlichen

Natur ihre lächerliche Seite im Ganzen absehen,

und uns durch komische Darstellungen der Sitten und

Charaktere auf einen Standpunkt heben, von welchem

aus in dem Widersinn und der Thorheit Anderer die

unsrige Schwäche sich spiegelt. Man darf ihn fei,

mm tucian, keinem Cervantes, keinem Swift, oder

Motte«, oder Voltaire zur Seite stellen. Auch

hatte er weder die genialische Phantasie des Rabe,

lais, noch dessen burleske Originalität. Scarron'«

Energie lag in seinem Charakter. Sein Kopf be,

gnügte sich gewöhnlich mit oberflächlichen Possen.

Seine Einfälle sind keck, seine Darstellungen voll

burlesker Wahrheit. Besonders verstand er sich

auf das Komische der Situationen. Aber sehr oft

wird sein Muthwille platt, seine Tändelei geschwätzig

und ermüdend. Wo es ihm fehlte, zeigt seine

tra»

travestirte Aenelde mehr, als sein komischer Roman. Seine iustspiele sind" wenigstens alS komische Situationssiücke nicht zu verwerfen. Durch die Prüeision, Leichtigkeit und Gewandtheit der Sprache in dem komischen Romane hat Scarrol» auch zur Bildung der französischen Pros« d»e Sei«ige beigetragen. Die Galtung, zu welcher dieser Romau gehört, war übrigens längst von den Spa» nlern erfunden"). Daß Scarron in der spant» schen iitteratur belesen war, hat er durch eine U«» Versetzung spanischer Novellen bewiesen "). . ,> .

Auch die komischen RMane von le Sage» der schon oben unter den dramatischen Dichtern ge» uannt ist> sind durch Nachahmung spanischer Wert«) von ähnlicher Art entstanden. Aber le Sage hat seine Vorbilder in jeder Hinsicht erreicht,, und,iii wancher übortroffen. Seine Romane haben die komische Kraft und leichttgkeit der spanischen, em, pfehlen sich fast noch mehr, als diese, durch ele, game Simplicität der Sprache und des fomlschett Slyls, und sind reicher au psychologischer Mannig« falligkeit. Einige von ihnen,, besonders ber. Oll Blas, wurden auch bald durch ganz Europa g« lesen, und sind, wie der Don Qulrote von CeruatU »es, noch immer in der Mode geblieben,'»obgleich keine Art von Geisteswerken so früh,, wie dl« köml» schen, altert, wenn in diesen nicht Sitten und. Chi»

raller««

t) Aergl. dm Zten Band dieser Gesch.„der Pofß<M,l» V«, teds. S.305. und ana»d«u Stelle».'.",. .....

U) Im ersten Bande der 6euvrs5 lie>te 8«:»^«, ^m» tterclam, 17Z2» »n 6 Octnviiünben, findet m>^ auch das Leben des meskwürdlqen Mannes ausführlich erzähl«.

V«u«rwet'« Gesch. d, schött. Redsk.Vl.V. ^

rattere erscheinen, die sich in etwas veränderter Ge> stall überall und zu allen Zeiten wiederfinden. Au« ßer dem Gil Blas hat le Sage noch sieben komische Romane, den Gusman von Alfara.che, den Baccalaureus von Salamanca, den hinkenden Teufel, und andere hinterlassen, unter denen auch ein Neuer Don Quixoee (l^ouvell« «venture! cie Dun Huixole) ist, der freu lich hinter dem alten weit zurück steht. Bis zur komischen Kühnheit des Cervantes konnte sich le Sage nicht erheben ").

4 In die zweite Hälfte des Jahrhunderts ttldwist'V XlV. fällt auch die Epoche der französi' schen Feenmährchen. Die Keime zu diesen Dichtungen, von denen die französische litteramr auf ein Mal überschwemmt wurde, waren schon M mehreren Jahrhunderten in den Ritlerromanen unl» Fabliaux vorhanden. Wer aber zuerst «uf den Einfall gekommen seyn mag, Feenmährchen m vw «ntalischen Styl und nicht mehr in Versen zu n« zahlen, und ihnen den Zuschnitt zu geben, den sie gegen da« Ende des siebzehnten Jahrhunderts in d« französischen lltteratur erhielten, ist noch immer durch keine Nachforschungen ganz aufgeklärt. Vor de« ^Iahre',697 scheint keine Sammlung solcher Mähc» chen zum Druck befördert zu seyn, und nach den Jahre 1697 kam ihrer fast zu gleicher Zeit ein« « >. - solche

x) Eine Sammlung der Werte des Le Tage, oder auch nur seiner sämmtlichen Romane, scheint noch nicht ««« anstältet woroen zu seyn. Einzeln sind die Romane oft« gedruckt. Das Verzcickniß derselben findet man bei De se ssart s (äicclc« littergirel Hc.) unter dem All!» 'kelLeSage. 7^

solche Menge von verschiedenen Verfassern und Ver, fasserinnen in Umllsuf, daß man, ohne Privat«Anekdoten von ihrer Entstehung zu wissen, dem Erfinder der ganzen Gattung nicht auf die Spur komme» zu können scheint. Die arabischen Tausend u^d eine Nacht, die der gelehrte Orientalist Antoine Galland in das Französische übersetzte, waren ge, lviß nicht die ersten Mährchen dieser Art in der französischen iitteratur. Man könnte also, wen» man die Iahrzahlen der Bücheriitel zu Wegwet, fern nimmt, wohl gar auf die Vermuchung gern, lhen, Galland selbst sei durch die fast epidemische Vorliebe, mit der sich das Publicum plötzlich für die Feenmährchen interejsirte, veranlaßt worden, un, t«r andern orientalischen Werken auch die Tausend und eine Nacht zu übersetzen. Galland gab dies« Uebersetzung im Jahre 1704 heraus; und scho» seit dem Jahre 1697 las man die Mährche» von meiner Mutter Gans (Oonte, cle ina mero 1'Oye), die der jüngere Perrault bekannt gemacht hatte. Für den wahren Verfasser dieser Mährche» von der Mutter Gans hält man den Vater ihre« Herausgebers, denselben Perrault, der in der Ge, schichte der französischen Kritik bekannt genug ist, und dessen auch unten in diesem Buche weiter wird ge» dacht werden müssen. Ihn nennt man den Erfinder de« französischen Feenmährchen«. Aber wenn er so zu heißen verdient, so begreift man nicht, wie fo« gleich in dem Jahre darauf drei bis vier ähnliche Sammlungen, unter andern «ine von der GrHsi» D'Aunoy, die auch historische Romane geschrie, ben hat, durch den Druck bekannt werden konnten, die doch vermuchlich ntcvt alle genau in emem «in, zigen und denlselblN Jahre .697 ersonnen und ge,

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