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und scharfsinnige Bayle in einem andern land« geboren gewesen, so würde er sein bewundernswürdiges historisch, kritisches Wörterbuch wahrscheinlich mit nicht weniger Gelehrsamkeit und Scharfsinn, aber wie ein Pedant, abgefaßt haben. In Frank, reich und unter den unmittelbaren Einflüssen des Jahrhunderts ludwig's XlV. hatte er, zwar auch nicht wie ein Meister in der Kunst des StylS, aber doch so zu schreiben gelernt, daß er den Ver, . stand seiner leser nicht auf Kosten ihres Geschmacks befriedigt.

Absichtlich wurde die didaktische Prose der Franzosen damals nur von einigen geistreichen Man» nern cultivirt, die sich weniger mit Gegenständen der Speculation und Gelehrsamkeit, als mit praktischen Wahrheiten und Irrthümern aus der Sphäre der Philosophie des geselligen tebens beschäftigten. Dies, Philosophen wollten entweder auch mit den Dichtern in eine Reihe treten, oder wenigstens in Proseeben so elegant, wie die französischen Dich, ler in Versen, räsonnlren. Die Verschiedenheit ihrer Manieren beweiset wieder, wie liberal man in Frankreich über rhetorische Schönheit dachte, und wie weit man von der thörichten Idee einer allgemeinen Musterprose entferne war. Man gönnte Jedem seinen Styl, wie seinen Charakter; nur mußte er nicht geschmacklos seyn.

In dieser Classe von didaktischen Schriftstellern ist einer der merkwürdigsten der witzige Philosoph Charles de St. Denns, Herr von St. Evre, mond, geboren im Jahre 1612 in der Normandle. Sein Nahm« ist in dieser Geschichte schon einige

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Mal genannt worden. St. Evremönd spielte ein« der glänzendsten Rollen in der Gesellschaft der geistreichen Epikureer, deren Schule bald «inen so gro« ßen Einfluß auf die französische lltteramr erhielt. Aber er wußte seine Zunge und seine Feder nicht so gut zu beherrschen, wie Chaulieu und Andere, die zu derselben Schule gehörten. Ein Mal halte er schon in der Bastllle die Folgen seine Keckheit empfinden müssen, ohne dadurch vorsichtiger geworden zu seyn. Als ihm zum zweiten Male dieselbe Strafe zuerkannt war, flüchtete er sich über Holland nach England, wo unter der Regierung Carl's ll. «ine Philosophie, wie die, zu welcher sich St. Evre, mond bekannte, bei Hofe und in den guten Ge, sellschaften der Hauptstadt sehr zur Empfehlung ge, reichte. St. Evremönd, der auf seine stoische Tm gend Anspruch machte, war ein Mann von Ehre. Sein Betragen machte ihn nicht weniger beliebt, als sein naiver Witz und sein Heller Verstand. Sein Vaterland sah er nicht wieder; aber er lebt» in England so glücklich, als ein Verbannter leben konnte. Auch in seinem hohen Alter verließ ihn seine gesel, lige Heiterkeit nicht. Er starb im Jahre «713, dem neunzigsten seines Allers. Sein Denkmal in der Westminster-Abtei, wo er begraben, liegt, beweiset, wie man ihn auch in England nach seinem Tode ehrte. Noch immer werden seine Schriften fleißig gelesen ..und sie verdienen «S. St. Evremond's Styl ist der na, türtlch« Abdruck seines Geistes; klar, ungezwungen bis zur angenehmen Nachlässigkeit, zuweilen so witzig und naiv, wie der Styl des Momagne, mit dem «r überhaupt die meiste Ähnlichkeit hat. Absicht» .lich har sich St. Evremönd wohl nicht nach Montagne gebildet. Beider Denk- und Sinnesart

stimmstimmte ß) übereln, daß auch die rhetorische Form ihrer Gedanken ungefähr dieselbe werden wußte. Zur Erwähnung des Inhalt« der Schriften de« St. Evremond ist hier nicht der Ort. Auf den Geschmack seiner Ration hat dieser interessante Autor weniger gewirkt, als auf die E::twickelung der Art von Philosophie < zu welcher sich der französische Geist immer bestimmter neigte, obgleich Malebran« che und Fenelon eine ganz andere Philosophie lehr» ten. St. Evremond gehört unstreitig zu den Vor, arbeltern Volta-ire's *). Seine poetischen Ver< suche beweisen übrigens nur, daß er kein Dichter war. Seine kritischen Bemerkungen über die Werke mehrerer Dichter, besonders über die dramatische titteratur der Franzosen, Engländer, Spanier und Italiener, sind oberflächlich, aber hell gedacht, und mit derselben pikanten Anspruchlosigkeit ausgedrückt, mit welcher St. Evremond überhaupt räsonnirte und schrieb y.

Eine ganz andere Prose schrieb Fenelon in seinen didaktischen Werten. Eben so wenig Pe.' dant, wie St. Evremond, mochte er doch mit der Wahrheit nicht scherzen. Ihm war sie, wie das Gute, heilig. Die stille Religiosität, die sein ganzes Wesen erfüllte, theilte sich seinen Unter,

suchun

,) Wer es bezweifelt, lese nur z.B. dle c«,nverl»ti„n 6u Trecks! cl' liucczuincourt «vec le per« ConZv« in St. Evremond's Werken.

>) Eine sehr ausführliche Geschichte lxs Leben« diese« Achrifistellers findet sich vor der Ausgabe der Oeuvre, ^e Klr äe 8t. Lvremonc!, publiie« lur se» ^lgnuscrit«, f»r Klr. ^)« Hla«e««Ä?, ^mN«ä»m, 17Z9, in 5 Ottavbanden. > >

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Mehrere französische Erziehung« schrlften aus jener Perlode trugen nicht wenig bei, die all, gemeinen Gesetze des guten Geschmacks in der didal, tischen Prose auch da einzuführen, wo man keine besondere Aufmerksamkeit auf methodischen Unter, rlcht in der Redekunst wandle. Waren gleich diese Erziehungeschriften keine vollendeten Muster des Styls, so hatten doch auch sie einen Anstrich von der klassischen Cultur, nach welcher, damals auch die Erzieher in Frankreich strebten, nachdem die be, rühmten Prinzenhofmeister Bossuet und Fenelon den Ton angegeben halten. Wer aber seinen Geschmack in der Redekunst nach Regeln bilden wollte, hatte den Vortheil, in der französischen iilteratur seiner Zeit iehrbücher zu finden, die nicht, wie die meisten Anweisungen zur Beredsamkeit in andern Sprachen der neuere» Nationen, selbst gegen die Regeln fehlten, die sie vortrugen. Auch die legis, die man, wie in den allen Zelten, mit der Rhetorik in Verbindung brachte, erhielt schon damals unter den Händen französischer lehrer eine elegante Form. Das lehrbuch der logif unter dem Titel: Die Kunst, zu denken (l/än clepenler) von Antoine Arnauld, einem damals sehr bewnn, derten Kanzelredner und Doctor bei der Sorbonne, ist zwar kein Muster der philosophischen Gründlich,

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