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Er erklärt diesen Sinn noch weiter, indem er ferner von ihnen fagt: ,,sollen sie sich wozu entschließen, so heißt es immer: ich ,,werbe darauf denken; man muß zusehen; es könnte wohl seyn.". Nichtsdestoweniger hat ihn der überseker nicht begriffen, und sagt S. 594. gerade das Gegentheil: „fie verlassen sich auf ,,nichts, und thun über die geringste Sachen bejahende Aus„sprůche".

Es fehlt an Raum und Zeit, mehr solche Fehler herzuseken, die gewiß leider! in nicht geringer Unzahl zu finden sind, und den gerechten Zweifel erregen, ob der Hr. überleger feine Urkunde verstanden und der französischen Sprache machtig genug gewesen. Doch er ist auch wohl der deutschen Sprache nicht machtig ge nug gewesen, wie man aus vielen undeutschen Rebensarten sieht, welche das Lesen diefer übersegung sehr unangenehm machen, 3. E. ,,einen Ort bekleiden", anstatt: ,,eine Stelle bekleiden".

Mit der Wahl des Hrn. T., um die poetischen Stellen zu überlegen, hat es der Hr. Überseker sehr unglücklich getroffen; es sind gewiß sehr wenige Stellen, die nicht unter desselben Hån: den verdorben sind; 3. E. Tome II. S. 245.:

Tais-toi, perfide,
Et n'impute qu'à toi ton lâche parricide.
Va faire chez les Grecs admirer ta fureur,
Va, je la désavoue et tu me fais horreur.
Barbare, qu'as-tu fait ? avec quelle furie
As-tu tranché le cours d'une si belle vie ?
Avez vous pû cruels, l'immoler aujourd'hui ?

Sans que tout votre sang se soulevât pour lui?
Dieß übersekt Hr. T. S. 492. also:

Untreue, schweige du
Und rechne diesen Mord dir nur alleine zu.
Geh, laß die Griechen nur die tolle Wuth erheben,
Ich selbst entsege mich, daß mir die Glieder beben.
Uch ich unmenschliche, was hab' ich doch gethan?
Ich unterbrach mit Wut die schönste Lebensbahn.
Grausamer! konntest du dieß blutge Dpfer wagen
und mußte nicht dein Blut zu seinem Besten shlagen?

Wie trefflich Hr. I. die französische Sprache verstehe, kann man aus dem 5. und 6. Verse sehen, wo er die Undromache fich selbst einer That wegen beschuldigen låßt, wegen welcher fie beim Racine den Orest anklagt. Ob nur eine einzige Schón:

heit der Urkunde in der Überlegung zu finden sei, wollen wir alle Renner des Schönen urtheilen lassen.

Der Raum derbietet uns, mehr Proben von der Geschick lichkeit des Hrn. T. anzuführen, welche der Hr. Verf. in seiner Vorrede zu rühmen sich unterfangen hat. Wir schreiten nun zu dem Buche selbst; und weil ein genauer Auszug allzu weitläuftig seyn würde, so wollen wir unsern Lesern nur einige Unmerkungen mittheilen, welche wir bei dem - Lesen dieser Schrift gemacht haben, und von einigen wichtigen Materien, welche in den gewöhnlichen Rhetoriken felten berührt zu werden pflegen, einen Uuszug liefern.

S. 6. T. I, beweist der Verf., ,,daß der Schmuck kein wefentliches Stůd der Beredamkeit sei, weil sie dessen nicht nur oft entbehren kann, sondern auch oft nothwendig entbehren ,,mu". So seltsam dieser Saß sonst scheinen möchte, so kann seine Richtigkeit dennoch nicht in Zweifel gezogen werden, wenn man bedenkt, daß es Gegenstande giebt, die ihrer Natur nach ungekünstelt und einfach sind, und durch Zierrathen auf eine lâcherliche Weise wurden verstellt werden. In solchen Fällen ist man am sinnreichsten, wenn man es gar nicht ist, und desto beredter, je weniger man sich zu gefallen bemüht. Er glaubt, die Alten håtten in dem Frrthum gestanden, daß keine wahre Beredsamkeit ohne Zierrath fern könne. Cicero felbst wäre das von nicht befreit gewesen, indem er den Crassus *) sagen låßt: unum erit profecto, quod ii, qui bene dicunt, afferunt proprium, compositam orationem et ornatam et artificio quodam et expositione distinctam. Ob nun gleich diese Worte des Cicero noch allenfalls zu entschuldigen waren, so behauptet der Verf. dennoch, daß dieser falsche Begriff, den man mit der Bes redfamkeit verbunden, öfters die Ursache ihrer Verderbniß gewefen. „Demetrius Phalereus", fagt er, „und Seneca, und diejenigen, welche ihnen nachgeahmt, haben sich nur darum be: „müht, mit ihren Zierrathen bei allen Gelegenheiten verschwen,,derisch zu seyn, weil sie sich eingebildet, daß diese Blumen eine „nothwendige Eigenschaft und eine wesentliche Bestimmung der Berebfamkeit wären". Er legt daher S. 14. folgende Erklarung zum Grunde: die Berebsamkeit ,, bestehe in einem Vermo:

*) De Orat. L. I. n. 50.

„gen, über allerlei vorkommende Gegenstände mit Anständigkeit „u reden, und die Zuhörer zu überreden". „Sie ist ein Vermogen zu reden", fåhrt er fort. „Diese Eigenschaft hat sie mit „auen Künsten und Wissenschaften gemein, welche sich der ,,Sprache bedienen; und sie macht also das Geschlecht aus. Der ,,Unterschied ihrer Art besteht darin, daß man mit Unståndigkeit ,,reden müsse, d. h. wie es die Zeit, Gelegenheit und Umstände ,, erfordern. Caput artis, decere, fagt Cicero. Ihr Gegen: ,,stand hat keine bestimmte Gränzen. Er erstreckt sich über alles, ,,über die Religion, die Gerege, die Sittenlehre, die Staatskunst, das Kriegswesen, die Handlung, die Wissenschaften u. f. W.; „und ihr Endzweck ist, zu überreden, d. h. den Verstand, zu er: ,,leuchten und das Gemüth zu lenken".

Von der Rhetorik sagt unser Verf. T. II, S. 2., sie sei eine Kunst, dieses Vermogen; in welchem die Beredsamkeit besteht, zu üben und nach festgesekten Regeln zu regieren. Wenn er aber S. 28. im Namen des Uristoteles sagt, die Rhetorik habe vieles mit der Dialektik gemein; beide Künste beschäftigten sich vornehmlich mit dem Wahrscheinlichen oder Wahráhnlichen, d. h., folche Dinge, die zweifelhaft scheinen, durch Gründe aus: zumachens so scheint uns dieses einiger Einschränkung zu bedúr: fen. Aristoteles drückt sich an der von unserm Verf. angeführ: ten Stelle (Rhet. lib. 1. c. 1.) mit mehr Behutsamkeit aus. Seine Meinung scheint ungefähr diese zu seyn: der Redner můsle die abgekürzten Schlüsse (enthymemata) von den demonstrativen sorgfältig unterscheiden; es sei eben dasselbe Vermogen in unsrer Seele, welches sowohl von der Wahrheit als von der Wahr: scheinlichkeit urtheilt. Beide gehören also zu einer Kunst, in welcher die Menschen nicht nur zur Kenntniß der Wahrheit, sondern auch zur Beurtheilung der Wahrscheinlichkeit angeführt werden müssen. Da aber der Redner die Gemüther zu lenken und den gemeinen Haufen zu überreden hat, so muß er sich folcher Beweisgründe befleißigen, die faßlich sind und leicht in das Gemüth eindringen, und also ofters die wahrscheinlichen Gründe den demonstrativen vorziehen. Ein neuerer Weltweiser würde fagen: er muß finnlich reden. Es hätte auch hier der Unterschied zwischen der Dialektik der Alten und der Logik der Neuern angezeigt werden sollen. Man würde sich ziemlich betrügen, wenn man in der heutigen Logik die Hülfsmittel der Redekunst suchen wollte, von welchen die Alten in ihrer Dialektik so weitläuftig gehandelt haben.

Eben dieses Vorurtheil, in welchem unser Verf. gestanden zu haben scheint, daß sich die Beredsamkeit bloß mit wahrschein: lichen Dingen beschäftige, ist vermuthlichy die Ursache einer zwei ten Unachtsamkeit gewesen. Er theilt S. 50. die Redekunst mit den Utten in drei Gattungen ein, nåmlich in die berathschlagende, die gerichtliche und die beweisende. Ihren wesentlichen Unter: schied bestimmt er S. 51. folgendergestalt: die beratbschlagende Beredsamkeit hat den Nugen und die Schädlichkeit, die gericht: liche die Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, und endlich die beweisende das Lob und den Tadel, oder die Ehrbarkeit und Schåndlichkeit einer Sache zur Absicht. Würden nun die Alten, wenn sie unsere geistliche Beredsamkeit gekannt håtten, nicht noch eine vierte Gattung hinzugethan haben, nämlich diejenige, welche die Wahrheit und den Srrthum zum Gegenstande hat ? Zu welcher Gattung, wollen wir denn diejenigen geistlichen Reben zählen, in welchen die erhabensten Wahrheiten gelehrt und die Irrthümer bestritten werden? Gewiß! unser Verf. würde die uns zulånglichkeit dieser Eintheilung bemerkt haben, wenn er nicht den unrichtigen Grundsag angenommen håtte, daß sich die Berebsamkeit bloß mit wahrscheinlichen Dingen beschäftige.

überhaupt aber möchten wir von dieser Eintheilung der Ulten sagen, was Hr. Schlegel von Batteur’s Eintheilung der Gedichte sagt: sie scheint auzu natürlich, als daß sie nicht verdächtig seyn sollte. Die Gränzen der berathschlagenden und beweisenden Beredsamkeit laufen allzu sehr in einander, als daß man fie durch die Bestimmung ihrer Gegenstände sollte unterscheiden können. Die beweisende Beredsamkeit, fagt man, hat Ruhm und Schande zum Gegenstande. Wenn man den Achilles loben will, daß er den Tod des Patroclus, seines Freundes, geråcht, ob er gleich gewußt, daß ihm diefe Rache das Leben kos sten werde; so sagt man nicht, es sei núßlich, sondern, es sei rů hmlich gewesen, in einem solchen Falle den Tod seines Freundes zu rächen. Wohl! Wie aber, wenn Ulysses z. B. dem Achilles håtte rathen wollen, den Tod seines Freundes mit Verlust seines eigenen Lebens zu rächen; würde er ihm wohl den Nußen, und nicht vielmehr die Rühmlichkeit dieses Unter: nehmens haben vorstellen müssen? Diese Ähnlichkeit der berath

fchlagenden mit der beweisenden Berebfamkeit ist auch S. 122. von dem Verf. in etwas berührt worden.

Wider die Erklärungen von Tapferkeit, Großmuth, Klugheit und Weisheit, die der Hr. Verf. S. 114. giebt, wäre vielleicht, wenn es der Raum erlaubte, noch verschiedenes zu erinnern. Die Großmuth z. B. erklärt Aristoteles (Rhet. lib. I. c. 9.) durch eine Tugend, Andern die größten Wohlthaten zu erzeigen". Von dieser Erklårung ist unser Verf. abgegangen, und sagt: la magnanimité est une élévation de sentiment, qui ne paraît jamais mieux que dans l'adversité. Dieses wire allenfalls eine Erklärung von erhabenen Gesinnungen; wie auch die beiden Erempel, die der Verf. anführt, mehr die hohe Denkungsart des Alexander und des Kaisers Valentinian bezeugen, als ihre Großmuth. Der Verf. scheint magnitudo animi mit magnanimitas verwechselt zu haben.

Eben so unschicklich sind einige Erklärungen unsres Verf. in dem Kapitel von den Leidenschaften. So z. B. erklárt er S. 250. die Liebe mit dem Aristoteles durch: „eine Gemüthsbeschaffenheit, vermoge welcher wir einer gewissen Person alles, was wir für gut halten, trůnschen, und wirklich, fo viel an uns ist, verschaffen; und zwar bloß ihres, nicht aber unsere eigenen Vortheils wegen". S. 260. aber erklärt er den þaß, von welchem Aristoteles weiter nichts sagt, als daß er der Liebe entgegengesegt Tei, durch eine Bewegung der Seele, durch welche sie sich von einem wirklichen oder scheinbaren übel entfernt". Diese Erklårung (cheint der Verf. vom Descartes *) entlehnt zu haben. Er hätte aber bedenken sollen, daß dieser Weltweise **) auch die Liebe „eine Bewegung der Seele" nennt, „durch welche sie sich mit einem wirklichen oder scheinbaren Gute zu vereinigen fucht". Nach dem Aristoteles hingegen kann der Haß nicht anders erklärt werden, als durch „eine Gemüthsbeschaffenheit, in welcher „wir einer gewissen Person alles, was wir für ein übel halten" u. T. W.; weil der Haß allezeit der Liebe entgegengesekt seyn muß.

Zu den Unterscheidungszeichen, die S. 261. zwischen Haß und Zorn angegeben werden, gehört auch dieses, daß der Haß

*) Les Passions de l'ame, Art. LXXIX. **) Eben daselbst.

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