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Im Uebrigen enthält die Abhandlung der beiden genannten Autoren die Belege zu den im vorigen Jahre vorläufig veröffentlichten und bereits im vorigen Berichte mitgetheilten merkwürdigen Resultaten über die Regeneration der von den Centralorganen, ja von Centralorganen und peripherischer Endigung getrennten Nervenfasern. Die Fortschritte der Restauration sind mehrfach an demselben Nerven verfolgt. Von der Regeneration der an der Durchschnittsstelle wieder vereinigten Nerven unterscheidet sich die Regeneration der definitiv von den Centralorganen getrennten nur durch ihr langsameres Fortschreiten. Bildet sich an der Durchschnittsstelle eine Narbe, so beginnt die Regeneration des peripherischen Stücks, bevor die Entartung den äussersten Grad erreicht hat. Die Narbe, auch wenn sie nur wenige Nervenfasern enthält, wirkt befördernd auf die Wiederherstellung des peripherischen Nervenstücks, durch eine Art Irradiation, wie die Verff. annehmen.

Schiff erklärt die eigenthümlichen Resultate der von Philipeaux und Vulpian angestellten Versuche daraus, dass sie nur ganz junge, meist neugeborene Thiere dazu verwandten; bei etwas älteren Thieren sei Wiedervereinigung des peripherischen Theils der durchschnittenen Nerven mit dem centralen unerlässliche Bedingung der Regeneration des peripherischen. Landry hat aber auch bei ganz jungen Thieren die Versuche mit durchaus negativem Resultat wiederholt.

Hjelt konnte sich nicht überzeugen, dass die Kerne, die in den Scheiden durchschnittener Nerven nach der Resorption des Inhaltes sichtbar werden, von Anfang an vorhanden seien; er glaubt, dass sie zum grossen Theil neu, durch Theilung der ursprünglichen Kerne entstanden seien. Rundliche und längliche Kerne ordnen sich zum Theil in einfacher Reihe, zum Theil in mehreren Reihen neben einander in dem interstitiellen Bindegewebe zwischen den durchschnittenen Nerven. Während ein Theil der Kerne fettig entartet, verbinden andere sich netzförmig durch Fäden, in welche die Kerne oder vielmehr die Membran, die sie umgiebt, sich fortsetzt. Allmälig rücken die Kerne aus einander, verlängern sich die Verbindungsfäden und werden breiter. Während ihre Contouren sich deutlicher markiren, beginnt eine Differenzirung von Scheide und Inhalt; die den Kernen entsprechenden Anschwellungen erhalten ein granulirtes Ansehn, eine helle äussere Belegungsschichte und so erscheinen die neugebildeteu Fasern scharf contourirt, schmal, anfangs durchsichtig. Der Verf. meint annehmen zu müssen, dass wenigstens ein grosser Theil der alten Nervenfasern mit diesen neugebildeten in Verbindung trete und den ersten Anstoss zu ihrem Uebergang in Nervengewebe gebe.

Stannim hatte die Nervenfasern des Petromyzon sämmtlioh für marklos erklärt. Auch Meissner fand in denselben kein eigentliches Nervenmark, jedoch in vielen Fasern einen Zwischenraum zwischen Scheide und Axencylinder, der doch von einer eigenthümlichen, vielleicht mehr wässrigen Substanz ausgefüllt werden müsste. Schneider beschreibt (p. 240) Fasern von eigenthümlichem Verlauf aus der Haut der Nematoden, die die Bedeutung von Nervenfasern haben könnten.

III. Compacte Gewebe.

1. Knorpelgewebe

M. Wilekcns, Zur chemischen Constitution des Knorpelgewebes. Zeitschr. für wissensch. Zoologie. Bd. X. Hft» 4. p.. 467.

C. Trommer, Zur chemischen Natur der wahren oder chondrogenen Knorpel und der Knochen- oder collagenen Knorpel. Archiv für patholog. Anatomie und Physiol. Bd. XIX. Hft. 5. 0. p. 554.

M. Schultzt, Zur Frage über die sogenannte künstliche Umwandlung chondrogenen Knorpels in collagenen. Ebendas. Bd. XX. Hft. 3. 4. p. 370.

A. Milne-Edwards, Etudes chimiques et physiologiques sur les os. Ann. des sciences naturelles. 4e ser. T. XIII. p. 113.

lt. Mittler, Üeher verkalkte und poröse Kapseln im Netzknorpel des Ohrs. Würzb. naturwissensch. Zeitschr. Bd. I. Hft. 1. p. 92.

Friedleben's interessante Beobachtung, dass chondrogene Knorpel, wenn man sie nach Art der zu extrahirenden Knochen mit Salzsäure digerirt, eine colkgene Beschaffenheit annehmen, hat mancherlei Anfechtungen erfahren. Milne-Edwards widerspricht geradezu den von Friedleben constatirten Thatsachen: Knochen- und Knorpelstücke, die er in demselben Gefäss mit Salzsäure macerirt hatte, lieferten, der erstere Glutin, der andere ein charakteristisches Chondrin. Wilckens macht auf die Unterschiede in der elementaren Zusammensetzung des Leims und Chondrins, namentlich auf den Schwefelgehalt dea letzteren, aufmerksam. Mit Salzsäure digerirtes Chondrin zeigte ihm allerdings keine der Keactionen, die das Chondrin vor dem Leim auszeichnen, aber auch keine Reaction gegen Galläpfelaufguss. Trommer bestätigt, dass der im angesäuerten Zustande gekochte wahre Knorpel wie Leim reagirt; wurde aber der chondrogene Knorpel vor dem Kochen vollständig entsäuert, wozu nach dem Auswaschen noch Behandlung mit einer sehr verdünnten Aetzammoniaklösung erforderlich ist, so zeigte die Auflösung nur chondrogene Reactionen, während die Auflösung des in gleicher Weise von Säure befreiten Knochenknorpels die collagenen Reactionen beibehält. Schultze endlich weist auf eine früher von ihm mitgetheilte Beobachtung hin, wonach sich der mit verdünnter Kalilauge digerirte ächte Knorpel, nach vollständiger Entfernung der Kalilauge, wie Knochenknorpel verhielt. Er ist der Meinung, dass diese durch Kali bewirkte Veränderung dieselbe sei, wie die, welche Friedleben und Trommer durch Einwirkung der Säure erzielten, und dass es sich hier um Zersetzungsproducte handle auf Wegen, die der Organismus während des Lebens nicht einschlägt. Ohnehin gehört nach den jetzt gultigen Ansichten über die Verknöcherung, da man annimmt, dass der ächte Knorpel aufgesogen und die knorplige Grundlage des Knochens neu abgelagert werde, der Uebergang der Chondrin- in Leimgebende Substanz nicht mehr zu den physiologischen Problemen.

H. Müller traf im Ohrknorpel eines Hundes verkalkte Kapseln an in Gruppen von 4 bis 12. Die Wände der Kapseln waren sehr dick; die Verkalkung ging von den innersten (jüngsten) Schichten aus. Häufig war auch die faserige Gruudsubstanz mit Kalk imprägnirt, in körniger oder klein drusiger Anordnung. Zuletzt wurde auch die Zwischensubstanz grösserer verkalkter Kapselgruppen homogen und es stellte dann das Ganze einen in den Knorpel eingesprengten Kalkkörper mit drusiger Oberfläche dar. In dem Ohrknorpel eines anderen Hundes war eine innere, 0,005—0,006 Mm. mächtige Zone der Kapseln von feinen, radiären Porenkanälchen durchzogen. In demselben Knorpel war eine Kapsel mittelst einer in der Mitte durchbrochenen Scheidewand unvollkommen in zwei Hälften getheilt; in der Oeffhung der Scheidewand steckte der schmale Theil einer biseuitförmigen, also wahrscheinlich in Theilung begriffenen Zelle, über deren Kern sich nichts ausmachen liess.

H. Müller empfiehlt den Nickhautknorpel des Hundes, um Knorpelkapseln mechanisch zu isoliren.

2. Knochengewebe.

Müte-£du)tirds, Am. des sc. nat. T. XIII. p. HJ.

Ji, Frivdteben, Ueber den Werth der Wasserbestimmung des Knochengewebes

in physiol. und pathol. Hinsicht. Archiv der Heilkunde. 1861. Hft. 2.

p. 139. hera., Beitr. zur Kenntniss der physikal. und ehem. Constitution wachsender

und rhachit. Knothen. Wien. 8.

H. Müller, Ueber Sharpey'a durchbohrende Fasern ' im Knochen. Würib.

naturwissenseh. Zeitschr. Bd. I. Hft. 3. 4. p. 296. A. Knlliker, Ueber die grosse Verbreitung der perforating flbres von

Sharpey. Ebendas. p. 306.
Lieberkühn, Archiv für Anatomie. Hft. 6. p. 824.

Boitrguet, Mem. sur les regeuerations osseuses. Comptes rendus. 0. Aoüt.
L. Ollier, Rech, experimentales sur les greffes osseuses. Journ. de laphysiol.

Janv. p. 88.
Berruti, Sulla genesi e reproduzione delle ossa. Giorn. dell acad. med. chir.

Torino. 1859. Vol. XXXV. p. 30. 112. Kölliker, Wurzb. naturwissenseh. Zeitschr. Bd. I. Hft. 1. p. 16. Ders., Ueber den Bau der Säge des Sägefisches. Ebend. Hft. 2. p. 144. G. Eainey, Some further experiments and observations on the mode of

formation and coalescence of carbonate of lime globules. Quarterly

Journ. of microscop. science. 1861. Jan. Journ. p. 23.

Mit Recht beklagt Friedleben (Archiv für Heilk.), dass die gewohnte Methode der Analyse der Knoehensubstanz einen wichtigen Bestandtheil ausser Acht lasse, den Wassergehalt, der ohne Zweifel veränderlich und nicht ohne Einfluss auf die Lebenseigenschaften der Knochen ist. Doch hat diese Vernachlässigung ihren Grund sicherlich nur darin, dass die Chemiker es unthunlich fanden, die Bestimmung des Wassergehaltes in der Art zu bewerkstelligen, dass dadurch vergleichbare Resultate gewonnen würden. Der verschiedene Reichthum der Knochen an Blutgefässen und Mark giebt bei der Bestimmung ihres Wassergehaltes einen so bedeutenden Ausschlag, dass dagegen die Differenzen des etwa in die Knochensubstanz imbibirten Wassers verschwinden müssen, und so lehrt die chemische Operation kaum mehr, als wir mit leichterer Mühe, durch Vergleichung der Knochenstructur, erfahren. Wenn Friedleben den spongiösen Knochen wasserhaltiger fand, als den compacten, so ist dies nur ein anderer Ausdruck für die Thatsache, dass im spongiösen Knochen die Mark- und Gefässhaltigen Lücken vorherrschen. Aus diesem Grunde können wir auch den Vergleichungen des Wassergehaltes der Knochen in verschiedenen Lebensaltern nur geringen Werth beimessen, wenn nicht zugleich auf das Verhältniss der Markräume zur eigentlichen Knochensubstanz Rücksicht genommen wird. Der Verf. kömmt (durch Analysen von Knochen von Hunden) zu dem Resultat, dass die Wassermenge im embryonalen Knochen sich bis .zur Geburt vermindert, nach der Geburt wieder zunimmt bis zu dem Zeitpunkt, wo freiere, selbstständigere Bewegungen ausgeführt werden (zwischen der 3—6. Lebenswoche) und dann bis zur Pubertät stetig abnimmt.

Minder auffallend, wiewohl immer noch merklich, ist bei der Analyse der trockenen und entfetteten Knochensubstanz die Gegenwart der den Knochen durchziehenden Weichtheile, die als organische Substanz in Rechnung kommen. Ich habe hierauf schon in meinem Handb. d. allg. Anatomie hingewiesen und die Schwankungen, die in dem Verhältniss der Kalksalze zur knorpligen Grundlage beobachtet worden sind, aus der Beimischung des vertrockneten Inhalts der Mark- und Knochencanälchen erklärt, der durch keine Procedur entfernbar ist. Milne- Edwards führt denselben Gedanken aus und hält, es demnach, trotz der veränderlichen Proportion, die die Analysen ergeben, für möglich, dass die Verbindung der Kalkerde mit dem Ossein, wie er mit Robin und Verdeil den Knochenkorpel nennt, eine stöchiometrisch bestimmte sei. Uebrigens fand Milne-Edwards, im Widerspruch mit Rees, die Knochen des Unterschenkels etwas reicher an Kalksalzen, als die Knochen des Vorderarms, wie aus folgender Tabelle erhellt:

20jährige Frau Tibia.

Organische Materie . . 35,6
Kalksalze 64,2

30jähriger Mann Organische Materie . . 33,3 Kalksalze 66,7

Bei Thieren, die sich ihrer symmetrischen Extremitäten gleichmässig bedienen, haben die entsprechenden Knochen beider Körperhälften fast genau die gleiche Zusammensetzung; beim Menschen enthalten die Knochen der rechten Seite ein Uebergewicht an Salzen:

[table]
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Die Unterschiede sind gering, zeigen sich aber beständig in demselben Sinne. Mit dem Alter beobachtete Milne-Edwards, in Uebereinstimmung mit v. Bibra, eine Zunahme der Kalksalze. Friedleben (Beitr. p. 71) gewann als Durchschnittszahl für die Schädelknochen in der

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